WordPress-Geschichten: Stunde Null

The times they are a-changin’.

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Was ist dieses WordPress eigentlich, außer ein Ordner mit Dateien drin? Wem gehört WordPress? Wer bestimmt, in welche Richtung entwickelt wird? Und wer regelt Dinge, die zwar auch WordPress, aber kein Code sind: Verwaltung, Finanzen, Pressearbeit, WordCamps, Meetups?
In dieser Serie greifen wir Fragen aus der Community auf und suchen nach passenden Fakten, Hintergründen, Erklärungen, Antworten.

TL;DR

Dieser Beitrag enthält einen chronologischen Abriss zur Entstehung und Entwicklung von WordPress als Software, sowie zur Entwicklung der Community und zur Gründung von WordPress.com und Automattic.

Die Stunde Null

Wenn es so etwas wie eine Stunde Null für WordPress gegeben hat, dann muss diese wohl am 25. Januar 2003 um 3:58 Uhr nachmittags gewesen sein. In dieser Minute postet Mike Little, Programmierer aus Stockport/Großbritannien, folgenden Kommentar:

Matt,
If you’re serious about forking b2 I would be interested in contributing. I’m sure there are one or two others in the community who would be too. Perhaps a post to the B2 forum, suggesting a fork would be a good starting point.Mike Little, 25. Januar 2003 @ 15:58

Anlass für sein Angebot ist der geschichtsträchtige Artikel eines noch geschichtsträchtigeren, bis dato aber noch völlig unbekannten jungen Mannes, der einer kleinen Gruppe von Webloggern seinen Kummer um die gerade fürchterlich stagnierende Weiterentwicklung des von ihm benutzen Systems klagt. Dieser junge Mann ist Matt Mullenweg aus Houston/Texas.

Die Software, um die es geht, hat den loungigen Namen b2/cafélog und ist, wie viele CMS in ihrer Geburtsstunde, ein Open-Source-Produkt – entwickelt und gepflegt von einer kleinen Gemeinde aus Entwicklern und PHP-affinen Nutzern. Anders an b2 ist seine Ausrichtung auf das so genannte Weblogging: eine tagebuchartige Form des Publizierens, die ein chronologisch aufgebautes System erfordert – und nicht ein hierarchisches, wie bei den meisten CM-Systemen üblich.

Matt und Mike forken b2 tatsächlich. Am 27. Mai 2003 steht das gemeinsame Baby, von Anfang an unter dem Schutz der freien GPL-Lizenz, erstmalig in stabiler Version zum Download bereit. Version 1.0 erblickt ein gutes halbes Jahr später, am 3. Januar 2004, das Licht der Bildschirme. Das ZIP wiegt 275KB. Es ist – ein WordPress! 😉

Mike Littles Kommentar: die Geburtsstunde von WordPress.
Mike Littles Kommentar: die Geburtsstunde von WordPress.

DeutschPress

Die Installation verlief schnell und machte keine Probleme. Die Einstellungen und das Grundgerüst lassen sich sehr leicht online ändern. Dank WordPress steige auch ich in die Blogwelt ein. 😉
Vladimir Simovic aka Perun, 15. Januar 2004 @ 17:03

WordPress, das neue Blog-System mit dem eingängigen Namen und der Liebe zum Jazz, findet schnell Freunde in der ganzen Welt. So auch im Land der Dichter und Denker:

Am 1. November 2004 hebt Olaf Schmitz ein Portal für die deutschsprachige Community aus der Taufe – WordPress Deutschland ist geboren. Bereits zu Beginn desselben Jahres hat ein gewisser Vladimir Simovic seine Website Perun.net auf WordPress umgestellt.

Olafs Community-Portal und Vladimirs Blog werden, zusammen mit weiteren Pionieren, zu Vorposten in einer sich schnell bevölkernden Blog-Landschaft, der Blogosphäre. Es geht ums Bloggen und den Wissensaustausch über WordPress selbst. Blogs wie der von Frank Bültge, der in beinahe unheimlicher Frequenz Wissenswertes zu Code und Erweiterungen für WordPress postet, werden zur Anlaufstelle für Neulinge, die sich durch das private Engagement des hauptberuflichen Software-Architekten so manche englischsprachige Google-Recherche sparen können.

Die Startseite von WordPress Deutschland heute.
Die Startseite von WordPress Deutschland heute.

Automattic und WordPress.com

Und wie geht es jenseits des Atlantik weiter? Um Version 1.5.2 herum, nämlich im August 2005, gründet Matt Mullenweg seine Firma Automattic, deren Hauptaufgabe darin bestehen wird, die Weiterentwicklung von WordPress auf professionelle Füße zu stellen – professionell im Sinne eines Erwerbseinkommens für einige der Lead Developers, die WordPress gemeinsam weiterentwickeln.

Matt chose Ryan. Matt and Ryan added Mark. Matt, Ryan, and Mark added Peter. Matt, Ryan, Mark, and Peter added Andrew. Those five added me. Those who now work for Automattic didn’t when they were named a lead developer. Contributing started as a hobby for every one of them.
Andrew Nacin, 31. Januar 2013 @ 23:45

Am 8. August 2005 öffnet die Blog-Plattform WordPress.com ihre Pforten für Beta-Tester. Ab dem 21. November ist der kostenfreie Service öffentlich verfügbar und gewinnt schnell an Beliebtheit.

Bei WordPress.com gibt es ein Blog auf Knopfdruck, gratis für jede und jeden. Kein Hochladen von ZIP-Dateien, Einrichten einer Datenbank, keine Installation – einfach registrieren und los bloggen. Knapp zwei Jahre später hostet WordPress.com 1.000.000 registrierte Blogs.

Mit dem an der Basis zwar kostenfreien, ansonsten jedoch klar kommerziell orientierten Blog-Service von Automattic ist WordPress eindeutig aus den Kinderschuhen heraus und schafft –zumindest in seinem Heimatland USA – schnell den Sprung in die öffentliche Wahrnehmung jenseits der Geek-Szene. Bloggen ist en vogue. Die technische Hürde ist passé, einen Blog bei WordPress.com zu registrieren geht leichter, als eine Bestellung bei Amazon aufzugeben. Zudem macht WordPress einfach Spaß, schon allein wegen des freundlich „Howdy!“ als Begrüßung nach dem Login.

Durch die für Automattic durchaus vorteilhafte Doppelbenennung .org/.com nimmt eine Entwicklung ihren Lauf, deren Konsequenzen sich noch zeigen müssen: WordPress wird zusehens (und wiederum überwiegend in US-Medien) mit dem kommerziellen .com-Service identifiziert – wenngleich der frisch gebackene Entreprenuer Matt nicht müde wird, in Interviews und Publikationen die Open-Source-Seele seines Produkts zu betonen und für ein freundschaftliches Nebeneinander von „kommerziell, nicht-kommerziell und nicht-nur-kommerziell“ werben:

[…] from the beginning I envisioned a structure where for-profit, non-profit, and not-just-for-profit could coexist and balance each other out. It’s important for me to know that WordPress will be protected and that the brand will continue to be a beacon of open source freedom […]
Matt Mullenweg, 9. September 2010, 15:11

Das Zitat freilich greift zeitlich um einige Jahre vor. Es stammt aus Matts Artikel zur Übergabe der WordPress Trademark and die neu gegründete WordPress Foundation.

Trademark? Foundation?? Genau, dat kriegen mer später.

Im nächsten Beitrag: Die WordPress Foundation.

Wer oder was ist die WordPress Foundation? Was sind ihre Aufgaben und Befugnisse? Welchen Einfluss nimmt sie auf das Geschehen innerhalb der WordPress Community?

7 Antworten zu “WordPress-Geschichten: Stunde Null

  1. Danke! Das wollte ich immer schon mal wissen. Ich liebe WordPress und kam damals von einer reinen HTML-Webseite. Alles was ich dann im Web gemacht habe, wurde leichter …

  2. Das ist ja vollkommen Klasse, dass Du Dich hin setzt und die WordPress-History dokumentierst.
    Vielen Dank schon mal vorab.
    Grüße Ralph

    • Freut mich, wenn es gut ankommt! Ich dachte, gerade für die deutschsprachige Gemeinschaft kann es nicht schaden. In Englisch ist es ja vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis da was von „offiziellerer“ Seite kommt.

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