WordPress-Support

WordPress ist einfach zu bedienen und leicht anzupassen – stimmt das? Ja, es gibt Themes und Plugins, und die Community ist freundlich, hilfsbereit und vor allem zahlreich. Und nein, denn WordPress ist und bleibt ein relativ komplexes Stück Software, dem nur diejenigen ins Getriebe fassen sollten, die entsprechende Qualifikationen erworben haben.

TL;DR

Wann immer du in WordPress etwas „anpassen“ oder „ändern“ möchtest, radiere das Bild von einem „Homepage-Baukasten“ aus deinem Kopf und stelle dir stattdessen einfach einen Tesla mit hoch komplexer Elektronik unter der Haube vor.

Eine der im WordPress-Support in jüngerer Zeit am häufigsten gestellten Fragen lautet:

„Wo kann ich [Feature XYZ] ändern?“

Mich persönlich irritiert diese Frage jedes Mal. Und weil ich in erster Linie Mensch und erst in zweiter Linie Supporter bin, lasse ich mich bisweilen, jenseits meines Arbeitsplatzes, zu einer „unproduktiven“ Reaktion hinreißen.

Anpassungen – „wo“ oder „wie“?

Was mich irritiert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die in aller Regel nicht besonders code-affinen Fragenden die Fragen nach dem „ob“ und dem „wie“ unter den Tisch fallen lassen.

Meinem Verständnis nach müsste jemand, der/die von sich selbst weiß, dass er/sie nicht besonders tief in der Technik eines Systems wie WordPress steckt, die Frage eigentlich so formulieren:

Kann ich [XYZ] selbst ändern, ohne etwas kaputt zu machen, und wenn ja, wie?

Das „Wo“, also eine bestimmte Stelle im Code (wenn es denn überhaupt eine einzige ist und nicht mehrere), hilft dir ja nur weiter, wenn

  • PHP, CSS, HTML und Javascript zu deinem aktiven Wortschatz zählen;
  • du wenigstens lesen und verstehen kannst, was da steht;
  • du die Architektur von WordPress einigermaßen gut kennst, so dass du einschätzen kannst, was du mit dem Code vor deiner Nase anstellen können könntest (sic).

Wenn dies alles nicht auf dich zutrifft, nützt dir das „Wo“ überhaupt nichts.

Immer gut: dazu lernen

Natürlich kannst du dir das entsprechende Wissen aneignen. WordPress ist open source, und eine Menge Leute teilen ihr professionelles Wissen, für dessen Erwerb sie selbst Jahre ihrer Lebenszeit investiert haben, mit schier unendlicher Großzügigkeit.

Wenn du dir eine lernende Grundhaltung zu eigen machst, wirst du früher oder später selbst auf Forschungsreise gehen, Entwicklerwerkzeuge im Browser nutzen, Attributnamen im Code suchen, die „Wo“-Frage in Eigenarbeit beantworten und dann einen Ort wie WPSE oder ein Forum aufsuchen, um dir fachmenschlichen Rat für das „Wie“ einzuholen.

Fakt ist: Das Wissen um das „Wie“ ist Voraussetzung für das, was du erreichen möchtest. Wenn ein Supporter also deine Frage nach dem „Wo“ korrekt beantwortet, dir aber das Wissen um das „wie“ fehlt, ist dir nicht geholfen.

Können vielleicht, aber sollen?

Noch wichtiger als die Frage nach dem „Wie (kann ich XYZ ändern)?“ wäre tatsächlich in etlichen Fällen die Frage nach dem „ob“:

Sollte ich [Feature XYZ] wirklich einfach ändern?

In aller Regel haben sich eine Menge Leute, deren Beruf es ist, genau so etwas zu tun, über [XYZ] lange den Kopf zerbrochen und ihre professionellen Qualifikationen als Designer, Entwickler und Software-Architekten dafür in die Waagschale geworfen, dass [XYZ] jetzt genau da steht, wo es steht, und genau das tut, was es tut und wie.

Das heisst natürlich nicht, das Profis immer Recht haben, bloß weil sie Profis sind, oder dass man als Nutzer/in von WordPress keine persönlichen Vorlieben haben dürfe.
Es heisst aber sehr wohl, dass es häufig angebracht wäre, einen Schritt zurück zu treten und einen zweiten Blick zu riskieren, bevor man sich blindlings ins Weißwasser von Quellcode-Änderungen stürzt.

Würdest du bei einem in der Metapher weiter oben erwähnten Tesla z.B. auch so sorglos ein Motorteil von A nach B versetzen oder im Getriebe herum schrauben wollen, wie du Komponenten in deiner WordPress-Installation deinen persönlichen Vorlieben anzupassen versuchst?

Keine Missverständnisse: WordPress ist flexibel und mithilfe von Plugins für nahezu jeden Einsatzzweck erweiterbar. Aber es gibt Bedingungen.

WordPress ist kostenlos, aber nicht umsonst. Die Währung für Open-Source-Software ist Wissen, und um eine Software nach deinen Vorstellungen zu formen, hilft es, in dieser Währung einigermaßen flüssig zu sein.

Fragen zu stellen und von Anderen lernen zu wollen, ist immer richtig; aber Erweiterungen am System solltest du (zumindest jenseits deiner „Spielwiese“) nur vornehmen, wenn du die möglichen Folgen einigermaßen überblicken und Risiken einschätzen kannst.

Allzu leicht folgt sonst auf die Frage „Wo kann ich [Feature XYZ] ändern?“ das Lieblingsthema aller Supporter dieses Planeten:

Hilfe!!! Seite kaputt, kein Backup, was kann ich tun?

12 Antworten zu “WordPress-Support

  1. Hallo Caspar, toller Beitrag. Kann ich so unterschreiben. In der Tat ist die Einfachheit von WordPress Fluch und Segen zugleich. Ähnlich einem Apple-Gerät ist die BEdienung derart intuitiv und einfach, dass man zugleich vergisst, dass der Unterbau nichtsdestotrotz aus Nullen und Einsen besteht. Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass sich viele Endanwender leider vom Know-How maßlos überschätzen. Man weiß nichtmal wie eine korrekte HTML-Datei aufgesetzt wird, geschweige denn wie PHP und JS ansatzweise funktioniert und möchte aber fortgeschrittene Funktionen anpacken. Der Vergleich mit dem Sportwagen gefällt mir. Da tausch ich auch nicht den Motor aus, wenn ich einfach keine Ahnung hab 😉 Auch interessant bei WordPress ist die „suche kostenloses Plugin“-Kultur. Da „simmer“ mittendrin in der Gratis-Kultur. Naja, können das ja mal in Hamburg auf dem WordCamp vertiefen 😉 Viele Grüße aus Belgien!

  2. Oh lieber Caspar, wie sehr du mit deinem Artikel Balsam auf meine Supporter / Trainer Wunden streichst…

    Danke 🙂

    @Gino – freue mich schon auf die vertiefenden Gespräche, auch demnächst in der Eifel 😉

    • @Birgit Ich verstehe, was du meinst, hoffe aber, der Artikel kommt nicht als Lamento rüber. So ist er jedenfalls nicht gemeint. Wenn Leute sich mit ihrem Tool auseinander setzen und selbst Hand anlegen möchten, finde ich das erstmal sehr klasse! Mir geht es lediglich um eine leichte Kurskorrektur – letztlich eigentlich nur, damit man als Nutzer/in auch wirklich brauchbare Support-Antworten bekommt.

  3. @Caspar: es ist definitiv kein Lamento.

    Ich spreche hierbei aus Erfahrung. Zum einen aus Anwender und WordPress Einsteiger Sicht und auch aus Supporter / Trainer Sicht.

    Das Wissen, das ich heute an die Wissenshungrigen weitergebe, habe ich mir jahrelang in der Praxis – oft per trialanderror angeeignet. Die Frage nach dem Wofür hat mich zu der Frage nach dem OB gebracht und dann zu der Lösung nach dem WIE und WO. Viele geduldige Menschen haben mir bis dato meine Fragen beantwortet, die ich durch eigene Recherchen nicht selbst beantworten konnte. Danke hier an dieser Stelle nochmal an die unzähligen Menschen, die ihr Wissen so großzügig bereitgestellt haben.

    Daher ist es mir immer wieder wichtig zu sensibilisieren. Autofahren will ja auch gelernt sein. Auf gerader und geschützter Strecke ohne Gegenverkehr ist es auch für Fahr-Anfänger leicht das Auto in der Spur zu halten. Sobald man die Strasse verlässt und ins Offroad-Gelände gelangt, erfordert es tiefgründige Kenntnis über Vehikel und den Untergrund.

    Hier ist auch immer wieder die Frage gestellt, wie ernst nehme ich als Webseitenbetreiber die Verantwortung für ein betriebsbereites und gut gewartetes Vehikel #WordPress

    Die Frage: Was will ich mit der Änderung bezwecken? sollte grundsätzlich als erstes beantwortet werden. Also eher ein Warum vor dem Ob und daraus resultierend das Wie.

    Was mich oft traurig stimmt, ist die Mentalität und teilweise die Unverfrorenheit vorauszusetzen, das Open Source mit „ist ja einfach und kostet ja nix“ gleich zu setzen wäre.

    Dazu fällt mir folgende Geschichte ein:

    Der Traktor eines Bauern lief nicht mehr. Alle Versuche des Bauern und seiner Freunde, das Fahrzeug zu reparieren, misslangen. Schließlich rang sich der Bauer durch, einen Fachmann herbeiholen zu lassen.
    Dieser schaute sich den Traktor an, betätigte den Anlasser, hob die Motorhaube an und beobachtete alles ganz genau. Schließlich nahm er einen Hammer. Mit einem einzigen Hammerschlag an einer bestimmten Stelle des Motors machte er den Traktor wieder funktionsfähig. Der Mototr tuckerte, als wäre er nie kaputt gewesen.
    Als der Fachmann dem Bauern die Rechnung gab, war dieser erstaunt und ärgerlich: „Was, du willst achtzig Tuman, wo du doch nur einen Hammerschlag getan hast?“ „Lieber Freund“, sagte da der Fachmann „Für den Hammerschlag berechne ich dir nur einen Tuman. Neunundsiebzig Tuman aber muß ich für das Wissen verlangen, wo dieser Schlag zu erfolgen hat.“

    aus „Es ist leicht das Leben schwer zu nehmen …“ von Prof. N. Peseschkian – Positive Psychotherapie

    In diesem Sinne: entweder man eigne sich das Wissen selbst an oder honoriere denjenigen, der sich das Wissen schon erworben hat.

  4. Die Schwierigkeit ist, dass aus der Frage oft nicht 100%ig herausgelesen werden kann, was der Wissensstand des Schreibers ist. Anfänger oder nur in Eile geschrieben durch einen Fortgeschrittenen? Auf die Frage eines Anfängers „Wie mache ich XY?“ mit einem Codex-Link oder der Angabe des richtigen Hooks zu antworten mag zwar in der Sache stimmen, hilft dem Anfänger aber nicht weiter. Ein Fortgeschrittener fühlt sich andersherum genervt, wenn man anfängt ihm zu erklären, dass er an das Childtheme denken soll, wenn er solche Änderungen vornimmt.

    Eine richtig gut gestellte Frage ist sehr selten. Vielleicht schaffen wir es auf dem Camp dazu eine Session anzubieten. Frank Staude vom Meetup Hannover und ich hatten das mal angedacht …

    Vor jedem Frage-stellen steht immer die eigene Recherche und das eigene Ausprobieren. Wer dazu keine Zeit hat, kann jemanden bezahlen ihm seine Frage zu beantworten, aber wer ohne eigene Vorarbeit in ein Forum, o.ä. stolpert, der muss sich nicht wundern, wenn ihm keiner hilft. Was schreibt Caspar so schön am Ende:

    Die Währung für Open-Source-Software ist Wissen, und um eine Software nach deinen Vorstellungen zu formen, hilft es, in dieser Währung einigermaßen flüssig zu sein.

    Doof, wenn man nicht bezahlen kann. 😉

    Wissen bedeutet hier nicht die Lösung zu kennen, sondern die *richtige* Frage stellen zu können und dazu muss eben selbst probiert und gesucht werden. Dann stellt man die Frage mit Angabe der eigenen Versuche und Erkenntnisse und hilft so dem Antwortenden enorm.

    Um noch weiter auszuholen:
    Wissen weitergeben ist das zentrale Anliegen der GPL (und damit auch von WordPress).
    Support ist daher auch kein einseitiges Geschäft. Auch hier gilt: Geben *und* Nehmen.

    • aber wer ohne eigene Vorarbeit in ein Forum, o.ä. stolpert, der muss sich nicht wundern, wenn ihm keiner hilft.

      Wichtiger ist für mich persönlich die Haltung, die mir aus den Zeilen entgegen kommt. Wenn jemand nicht weiß, wonach er/sie suchen soll, und fragt: „…kann mir jemand einen Tipp geben, wonach ich suchen sollte?“, macht mir die Antwort genauso viel Spaß, wie wenn jemand schon recherchiert hat und mit einem konkreten Ansatz kommt.

  5. @Caspar: Wie immer ein Genuss, deine Artikel zu lesen. Du sprichst mir mit vielen Dingen aus der Seele.

    @Gino: Das mit dem „suche kostenlos Plugin“ kenne ich zu gut. Meistens gibt es schon ein gutes Plugin, aber eine Kleinigkeit gefällt nicht. Dann wird gleich gefragt: „Gibt es das auch genau so, wie ich es gerade für meinen speziellen Fall brauche“? NEIN! Wenn dir das tolle kostenlose Plugin nicht zusagt, dann erstelle dir ein eigenes daraus oder bezahle eben jemanden dafür, dass er es dir anpasst. Dafür sind die Plugins ja schließlich GPL.

    @Torsten: Ich habe ja im März einen Workshop genau zu dem Thema gemacht. Darin habe ich versucht zu erklären, wie man mit diesen Erklärungen nach der Schema „nimm einfach diesen Hook“ zu einer Lösung durch ein kleines selbst geschriebenes Plugin kommt.

    • „… Workshop …“ – die Support-Session nimmt immer konkretere Formen an. 😉

      Update: Gerade ist der Sessionplan heraus gekommen. Ich denke, Christinas Session wird die richtige Adresse für alle Interessierten sein.

  6. Ganz unrecht hast du nicht. Allerdings auch nicht ganz recht. Gerade im Fall von WP gibt es viele Einstellungen die man mittels Plugin nicht hin bekommt. Stichwort ist hier die wp-config.php.
    Es ist halt tatsächlich so wie Torsten sagt, Problem ist oft die Fragestellung. In dem von dir angesprochenen G+-Thread hätte die Frage vielleicht lauten müssen „Kann ich in der wp-config eine Einstellung vornehmen…?“
    Eins der größten Probleme von WP sind und bleiben die Altlasten. Früher hatte man halt mittels Config-File alle Einstellungen geregelt. Das WP noch immer eine Config-Datei verwendet, verleitet viele dazu auch mal eben an den Core-Files was zu ändern wenn sie den entsprechenden Hook nicht finden (oder es erst gar keinen gibt).

    Es ist also eher systembedingt das solche Fragen immer wieder auftauchen. WP müsste man komplett umschreiben und die Verwendung aller Konstanten streichen damit die Fragen nach dem Wo irgendwann mal aufhören. Eine Illusion auf die wir noch warten müssen bis wir in Rente gehen.

    • @Ralf Hm, interessanter Gesichtspunkt mit der wp-config.php als „Vorlage“ für das oben diskutierte mindset. Aber kriegen Anwender/innen die denn überhaupt noch zu Gesicht? Die Installation läuft doch eigentlich komplett im Browser, oder bei vielen Providern mittlerweile über einen Klick in der Webspace-Administration? Wie auch immer, danke für den Beitrag!

  7. Ja, sie bekommen die Datei immer wieder zu Gesichtz. Und zwar jedesmal wenn sie etwas mehr haben wollen als die Standardkonfiguration. Wenn jemand ein Problem hat und nix als einen weißen Bildschirm sieht, was rät man ihm dann, ja was _muss_ man ihm dann raten? Klar, das Debugging in der wp-config zu aktivren.
    Dann liegt es doch nahe das jemand bei der nächsten Frage auf die Idee kommt etwas anderes genauso einfach durch einen Eingriff in einer Datei ändern zu können.

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