Ins Gesicht

The times they are a-changin’.

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Heftiger Regenerguss, der da gerade niederging. Im Bayerischen Rundfunk zürnte ein Betroffener mit der Urheberrechtsdebatte, in der es ja vor allem um eins nicht geht: die Urheber. Sven Regener, Musiker und mit seiner Band Element Of Crime u.a. bekannt für einen legendären Sonntag im April, geht gehörig der Hut hoch.

Regener regt sich auf. Dass der dabei das Augenmaß für die spitzfindigen Details in der öffentlichen Diskussion verliert, mag man ihm verzeihen; im Zorn legt niemand seine Worte auf die Goldwaage. Und der Zorn des Schrecklichen Sven ist berechtigt.

„Ins Gesicht pinkeln“ täte man den Urhebern, indem man quasi im Nebensatz von ihnen fordere, sie müssten ihre Werke unentgeltlich zur Verfügung stellen. Heutige Jugendliche hätten keine „endemische“ Musikkultur mehr als Folge einer Alles-immer-umsonst-zu-haben-Gesellschaft. Und: „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert“. Bumms.

Das Gefühl, vera… zu werden

Vorhang, Auftritt: die Tageszeitung. Unter fäkalvokabularisch um Ausgleich bemühtem Titel und Regener der Maßlosigkeit zeihend, schwenzelt sich der Autor zur Gegenthese: die vielerorts „aufs Internet projizierte angebliche Kostenloskultur oder -Mentalität“ gebe es nicht, Regener „kotzt sich halt mal aus“ und vergesse, dass diejenigen, bei denen er „Respekt und Anstand“ vermisse, „ebenso ein bisschen Respekt und Anstand erwarten“ – menno, aber echt!

Den Inhalt seitenbreit überlappend illustriert wird der TAZ-Artikel von der Anzeige einer Berliner Brauerei, deren Gesöff Produkt ein solches Banner vielleicht nötig hat. Man klickt das Ding weg, und es bleibt ein schmaler Balken am rechten Seitenrand, der sich beim zufälligen Überfahren mit dem Mauszeiger sofort wieder zur vollen Pracht quer über den Artikel ejakuliert – als ungewöhnlich gelungener Querverweis auf einen die virtuelle, angeblich nicht existente Kost-nix-Kuh kontinuierlich besamenden Phallus: Werbung.

Man kennt es gut, dieses Gefühl.

Kommentar bei taz.de zum Regener Rant am 25.3.2012
Kommentar bei taz.de zum Regener Rant am 25.3.2012