Fünf WordPress-Mythen entmystifiziert

WordPress ist kostenlos. Du kannst es in Nullkommanix selbst installieren. Dann brauchst du nur noch ein passendes Theme und ein paar Plugins, und der Osterhase platziert deine neue Website persönlich bei Google auf Nummer Eins.

1. WordPress ist kostenlos.

Richtig falsch.

Richtig, weil:

  • Die Kernsoftware, sowie viele, viele Erweiterungen (Plugins, Themes) kannst du kostenlos herunterladen. und
  • für jedweden (auch kommerziellen) Zweck einsetzen, ohne dafür Lizenzgebühren bezahlen zu müssen.

Trotzdem falsch, weil:

Eine Website

  • zu konzipieren,
  • zu planen,
  • zu gestalten,
  • zu programmieren,
  • zu veröffentlichen,
  • zu sichern,
  • zu pflegen,
  • zu aktualisieren

– das alles kostet professionelles Know-how, Zeit und Geld. Viel Geld. Rechne in Tausender-Beträgen, nicht in Hundertern.

Falls (falls!) du das entsprechende Know-how hast, musst du dein Budget natürlich nicht zu 100% in externe Dienstleistungen investieren, sondern kannst selbst machen, was du halt selbst machen kannst.
Trotzdem musst du, wenn du einigermaßen realistisch kalkulieren willst, auch deine Eigenarbeit in die Kosten für deine Website einrechnen. Und das kann, sofern du nicht ganz genau weisst, was du tust, schnell teurer werden, als eine_n Profi zu beauftragen.

2. Du kannst WordPress in ein paar Minuten selbst auf deinem Webspace installieren.

Tja, aber was ist das, ein Webspace? Und wo bekommst du einen her, auf dem du WordPress installieren kannst?
Frage fünf Leute, die sich angeblich damit auskennen, und du wirst acht Antworten mit drei Affiliate-Links drin erhalten.

Hier kommen zwei Faustregeln für die Wahl deines persönlichen WordPress-Hosting-Partners:

  1. Sofern es bisher nicht sowieso schon zu deinen täglichen Aufgaben gehört hat, Dateien auf einem Webserver herum zu schieben, GIBT ES FÜR DICH NICHT DEN GERINGSTEN VERNÜNFTIGEN GRUND, AUSGERECHNET JETZT DAMIT ANZUFANGEN!!!
  2. Wähle ein Webhosting, dass dir möglichst viele technisch notwendige Aufgaben abnimmt (Installation, System-Wartung, Sicherung), ohne dass es dich in deinen Möglichkeiten zu sehr einschränkt – und zahle glücklich die paar Euro mehr, die dich so ein Service kostet.

Im deutschsprachigen Bereich fallen mir dazu vor allem Raidboxes ein; im internationalen Sektor Leute wie Themecloud.ioWP Engine und WordPress.com(Alles keine Affiliate-Links.)

3. Als Erstes solltest du ein passendes Theme wählen.

Lass den Scheiss, ehrlich.

Wenn du anfängst, dich mit einem Theme für deine Website zu befassen, stehen die Chancen verdammt gut, dass du innerhalb von 10 Minuten Google-Recherche ALLES falsch verstanden hast, was es an Themes und an WordPress allgemein falsch zu verstehen geben kann.

Man wird dir weismachen (und du wirst es nur allzu gerne glauben), ein einziges WordPress-Theme für einen lumpigen zweistelligen Dollar-Betrag reiche aus, damit du selbst deine Website innerhalb kürzester Zeit online und auf die vorderen Plätze in den Suchmaschinen bringen könntest. (Hallo?!!)

Die Welt der WordPress-Themes, wie sie sich der Novizin oder dem Lehrling offenbart, ist ein als Kuchenteigschüssel getarntes Piranha-Becken. Steck’ einen kleinen Finger da rein, und du ziehst ein paar Internetminuten später deinen ganzen Arm wieder raus – UND ZWAR BLANK BIS AUF DIE KNOCHEN!

Um deiner körperlichen und geistigen Gesundheit willen:

Vergiss Themes. Sprich stattdessen mit eine_m Profi über die Planung deiner Website.

4. Dann brauchst du nur noch ein paar Plugins zu installieren.

Siehe Themes. Die SupportForen sind voll von Leuten, deren Lebenserwartung aufgrund zusätzlicher Stresspunkte im dreistelligen Bereich massiv gefährdet scheint, weil sie mit Plugins hantieren, ohne damit umgehen zu können.

Doch, WordPress ist sicher. Plugins funktionieren.
Du musst nur wissen, welche funktionieren und welche eher nicht, und welche dir um die Ohren fliegen werden und warum. Dafür musst du nur Expert_in werden und einige Jahre Erfahrung mit WordPress sammeln.

Dann, aber erst dann brauchst du nur noch ein paar Plugins zu installieren.

5. WordPress bietet einen leichten Einstieg für Anfänger_innen.

Wenn du Zeit und Lust hast, dich selbst Schritt für Schritt in die Herstellung einfacher Websites und Blogs einzuarbeiten, weil dich das Medium interessiert, dann ist WordPress sicherlich eine absolut empfehlenswerte Plattform – schon allein wegen seiner weltweiten Beliebtheit.

Sofern du allerdings eine eigene Website betreiben möchtest, um in deinem Beruf erfolgreicher zu sein, und dein Beruf ist nicht Webentwicklung, solltest du die Finger von der Eigenarbeit mit WordPress lassen und eine_n Freelance-Webentwickler_in oder eine Agentur für die Herstellung deiner Website beauftragen.

Und nun zurück zur Werbung.

 

13 Antworten zu “Fünf WordPress-Mythen entmystifiziert

  1. Ein wirklich gut geschriebener Beitrag!

    Erklärt auf einfache Weise warum es besser ist Leute zu engagieren die das ganze gern machen und auch wissen was sie tun. Es sind halt nicht wirklich die Mausklicks, die bezahlt werden, sondern das Wissen was man sich über die Jahre angelernt hat.

    Viele würde sich viel Geld und im Nachhinein auch Zeit sparen wenn sie direkt zu jemanden gehen würden der es kann.

    Eine Webseite muss nicht immer teuer sein (kommt natürlich immer auf den Umfang der Seite an 😉 ), auch wenn sie Professional gemacht ist.

  2. Hallo Caspar,
    vielen Dank für die Erwähnung von RAIDBOXES und den sehr witzig geschriebenen Blogbeitrag. Wir sind auch der Meinung, dass WordPress aktuell noch eher für die Internet-Professionals sehr gut zu gebrauchen ist und immer noch einiges an Einarbeitungszeit erfordert.
    Beste Grüße
    Torben, Marcel und Johannes von RAIDBOXES

  3. Da bin ich nicht deiner Meinung – jeder, der eine E-Mail schreiben kann, schafft’s auch, bei einem Oneclick Hoster WP zu installieren. Das kostet heiße 1.99/Monat plus die Domain.

    Und ja, natürlich gibt’s viel Theme- und Plugin Müll, aber dafür gibt’s ja die „popular items“ z.B. bei Codecanyon.

    Ich würd mich davor hüten, einen „Profi“ ein eigenes Template programmieren zu lassen, wenn’s Frameworks wie Layers, Enfold etc. gibt.

    • @Ritchie Danke für den Kommentar. Missverständnis: Es geht nicht darum, dass jemand ein eigenes Template (oder „Theme“, wie wir bei WordPress sagen) programmieren soll. Mein Punkt ist der, dass man selbst für die Konfiguration bereits bestehender Plugins und Themes zu einer funktionierenden Gesamtlösung einiges an Ahnung braucht – definitiv mehr, als eine E-Mail schreiben zu können. Popular items bei CodeCanyon sind, meiner 3jährigen Premium-Plugin-Support-Erfahrung nach, leider gar kein Qualitätskriterium.
      Vielleicht auch wichtig zu erwähnen: in diesem Beitrag geht es mir hauptsächlich um die Herstellung und technische Administration einer Website. Reine Content-Pflege braucht dagegen sicher viel weniger technisches Fachwissen, als z.B. Schreib-Kompetenz. Hier trifft der Vergleich mit der E-Mail vielleicht schon eher zu – sofern man ihn allein auf die Handhabung eines WYSIWYG-Editors anwenden möchte. 😉

  4. @Ritchie: Layers ist ein sitebuilder und Enfold ein theme. Ob damit jeder der eine E-Mail schreiben kann zurecht kommt und nach seinen Wünschen anpassen kann lasse ich mal dahingestellt.

    @Caspar: Wieviele Kunden sind bereit für das Hosting nur 1-er! Website bis zu 30€ monatlich zu zahlen? Auch wenn auf SSD gehostet wird.
    Bei den angebotenen themes und plugins muss ich dir voll zustimmen.
    Vielleicht sollte man auch unterscheiden welchen Zweck die Website haben soll und dort den Aufwand differenzieren.

  5. Das ist in der Tat eine der spannendsten Aspekt an WordPress (ebenso wie an Drupal auch). Es gibt diese beiden Pole.

    Der erste Pol diese dieser. Du und ich wissen ja, dass das grundsätzlich ja ein einer Stunde gehen kann: Hoster aussuchen, Domain buchen, WordPress installieren, Twentysixteen ein bisken konfigurieren und losbloggen. Und schon hat man bereits ein laufendes Redaktionssystem das sogar anspruchsvolle Anforderungen erfüllen kann. Das geht. Das weisst Du genauso gut, wie ich (zugegeben ein etwas unfaires rhetorisches Mittel). Aaaaber … (dazu komme ich später).

    Der zweite Pol ist jener: Wir alle wissen auch, dass man in einer WordPress-Site ohne Probleme hunderte von Personnentagen versenken kann, nur bis zum Launch. Und man kann ohne Probleme zwei Entwickler komplett auslasten nur mit dem Betrieb und der Weiterentwicklung einer WordPress-Site, geht problemlos. Es gibt immer was zu tun.

    Uuund … wir alle wissen, dass weder der erste Pol noch der zweite Pol die Regel sind. 99% aller Projekte liegen irgendwo dazwischen. Aaaber … der erste Pol, den Du ja verneinst, hat gegenüber dem zweiten Pol und gegenüber den 99.5% aller anderen Projekte eine nicht unerhebliche Eigenschaft: Ich halte ihn für das Ideal. Ich versuche alle Projekt so nah, wie irgendmöglich an diesen Punkt heranzuführen, weil es – meiner bescheidenen Meinung und Erfahrung nach – schlicht und ergreifend für alle Beteiligten das Beste ist, wenn man danach strebt.

    Und klar: Es ist richtig, den Leuten, die Blogs oder Websites haben wollen, keine Illusionen zu machen, dass es absurd einfach ist, das alles zu machen. Aber (und hier kommt das „Aber“ von oben wieder) es ist unsere Aufgabe ihnen zu vermittel, dass es dieses Ideal gibt, und dass die Frage, wie nah sie da heran kommen, nicht zuerst etwas mit WordPress zu tun hat, sondern von ihrer eigenen Einstellung und ihrem Vorgehen abhängt. Wenn man ein WordPress-Projekt so „fährt“, dass man sagt: „Okay, ich will erstmal nichts zusätzlich installieren oder programmieren, sondern selber herausfinden (oder mir zeigen lassen), was eigentlich mit Bordmittel machbar ist.“ Und wenn man von diesem Rahmen ausgeht und sich schrittweise weiterentwickelt, dann kann man sich sehr sehr nah am Ideal halten und dann sind das alles nicht nur zwingend Mythen.

    WordPress-Neulinge von diesem Vorgehen zu überzeugen halte ich für wichtiger, als ihnen initial zu sagen, sie sollten erstmal ein paar Tausender einplanen.

    Kleine Ergänzung für den unwahrscheinlichen Fall, dass es der eine oder andere doch noch nicht kennt: Das kleine Manifesto Getting Real richtet sich zwar an Startup-Entwickler, lässt sich aber auch für WordPress-Entwicklung fast perfekt adaptieren, und hat wie kaum etwas anderes meine Meinung über Webentwicklung geprägt.

    • Lieber Ben, wie fast immer triffst du ins Schwarze. Der obige Text unternimmt den vielleicht nicht wirklich hilfreichen Versuch, einer allzu häufig für völlig selbstverständlich genommenen, als unumstößlich legitim vorausgesetzten, mit pampigen Phrasen verteidigten Ich-muss-das-auch-können-erklär-mir-das-und-zwar-für-lau-Attitüde ein Paroli vor den Latz zu knallen, mit dem Wunsch, einen Hallo-wach-Effekt zu erzeugen. Ein zu frommer Wunsch für einen zu wenig konstruktiven Text, wahrscheinlich.

      Du und ich wissen, dass deine Erfahrung alles andere als bescheiden zu nennen ist. 😉 Aber wenn ich mich nicht irre, liegt sie schwerpunktmäßig im Agentur-, denn im Produkt-Bereich?
      Einen einfachen Blog aufzusetzen, wie du es beschreibst, frei nach Schnauze und mit den effektiven Mitteln, die ich mir selbst aussuche, ist ein komplett anderes Erlebnis, als zum 1234sten Mal eine kläglich verratzte Site aus dem 500er-Nebel bergen zu sollen, die nur deswegen verratzt ist, weil jemand nicht ansatzweise über WordPress-Basis-Wissen verfügte – oder wenigstens über genügend Selbstzweifel, um die Finger vom Plugin-installieren-Button zu lassen.

      Wenn so ein Fall die Regel im Alltag wird (was im Produkt-Support tendenziell häufiger passieren kann, als in der Projekt-Arbeit, denke ich), fällt es yours truly manchmal schwer, weiter ein Ideal zu vermitteln.
      Darum müsste ich zwar noch keinen Wut-Post schreiben. Das passiert nur, wenn ich gegen Ende einer Support-Woche voller Backends aus der Hölle zuguter Letzt über ein Tutorial stolpere, in dem genau jene sorgenfreie, leichtfertige Tralala-Sicht auf WordPress als Ideal promotet wird. Dolchstoßkomplexe sind da nicht immer zu vermeiden. 😉 (Ich habe bewusst darauf verzichtet, das arme Tutorial zu verlinken – es kann ja nichts dafür.)

      Irgendwo auf G+ hatte ich auf eine andere Kritik geantwortet, dass ich eventuell eines Tages so weit sein werde, einen emotionsfreien, wirklich nützlichen Beitrag zum selben Thema zu verfassen. Das hast du mir mit deinem Kommentar jetzt abgenommen. Danke! 🙂

  6. Nach mehrfachem Lesen und dazugehöriger Reflektion meldet mein Gehirn: Mir fehlt irgendwie der Kontext bzw. ein eingrenzendes Element. Wer ist gemeint? Wer soll sich da wie angesprochen fühlen? „WordPress kann ich“ kann aus so vielen Perspektiven völlig legitim gesagt werden, und meint selten das gleiche. Dieser Mangel an Kontext ist nicht diesem Artikel exklusiv, und vermutlich könnte man manchen Diskussion auf WP-Tavern (et al.) auch stark eindampfen, wenn man nicht immer alle gleichzeitig ansprechen würde.

    In diesem Fall kann ich mir das selbst erarbeiten, weil ich erahne was du täglich tust, und mit welchem Schrott du konfrontierst wirst. Wenn der Mist von anderen die eigene Lebenszeit beansprucht, dann darf man auch mal ausrasten. Ich glaube allerdings, dass man selber die Lösung ist und man Menschen schwer ändern kann, es einem auch nicht zusteht, vor allem wenn sie möglicherweise nicht mal einen Hauch des selben (technischen) Anspruchs an eine Webseite haben – das kann ja auch 1000 gute Gründe haben und ist zu akzeptieren.

    Aber wie gesagt, vielleicht gehts auch um was anderes 🙂

    • Ich glaube allerdings, dass man selber die Lösung ist und man Menschen schwer ändern kann, es einem auch nicht zusteht

      Das hast du schön gesagt. Wenn du mal einen Job im Support suchen solltest, sprich mich an. 😉

  7. allzu häufig für völlig selbstverständlich genommenen, als unumstößlich legitim vorausgesetzten, mit pampigen Phrasen verteidigten Ich-muss-das-auch-können-erklär-mir-das-und-zwar-für-lau-Attitüde ein Paroli vor den Latz zu knallen

    <rant>Genau das! Ich bin es ehrlich gesagt Leid, immer wieder mit dieser Attitüde angestresst zu werden. Du bist doch WordPressler, dann erkläre mir doch „noch kurz“ das Newsletter-Programm, schalte „SEO“ ein und mache ein Child-Theme von meinem ThemeForest-Theme und konfiguriere es. Wieso ist das so kompliziert/teuer? Ist doch *nur* WordPress! Und einen Shop hätte ich auch gerne. Außerdem hätte ich gerne Funktion y aus Theme x auch in meinem Theme. Mach das bitte mal. Ist doch ganz einfach, habe ich auch woanders gesehen und der hat das auch geschafft. Mein Budget? So wenig wie möglich! Deadline? Gestern! Ich habe übrigens meine Datenbank schon gelöscht – war das ein Fehler? Und ich hoste bei Uberspace, nicht weil ich Ahnung habe, sondern weil ich da nur einen Euro zahlen muss. Du kennst dich doch mit der Kommandozeile aus, oder? </rant>

    Ich helfe total gerne jedem, der mich als Experten schätzt (als Dienstleister) oder der sich selbst durchwühlen und lernen will (als Forenhelfer). Aber verlangen, verlangen, verlangen und jede Arbeit (oder komplexe Erklärung) als irrelevant herabwürdigen („Ist doch nur WordPress!“) – da habe ich echt keinen Bock mehr drauf.

    Insofern, Danke Caspar, für diesen Artikel.

  8. Tja, einer von den wenigen Berichten, die erklären, warum man einen Webdesigner beauftragen sollte. Danke dafür! Schließlich steckt eine Menge mehr Arbeit hinter einer guten Webseite, als ein Theme und Texte auf eine Webspace zu klatschen und dann zu hoffen, dass man gefunden wird.Gelungener Artikel, den ich gerne teile.

Schreibe einen Kommentar

Kommentieren ist ein Privileg, kein Recht. Sei anständig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.