Artikel richtig schreiben: Briefstil vermeiden

The times they are a-changin’.

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Gerade Neublogger/innen mit überwiegend analogem Lebenslauf tappen immer wieder gern in diese Stilfalle: Blog-Artikel mit Anrede und Grußformel. Wie in einer Email eben?
Nicht ganz. So gemein es klingen mag, ein Artikel im Brief-Stil reduziert die Botschaft auf eine einzige, simple Aussage: Unprofessionalität. Warum? Weil die eigene Website kein Briefzentrum ist, sondern viel eher eine Online-Zeitung, ein Kundenmagazin, ein Katalog oder ein Schaufenster.

Nicht gut: Artikel im Brief-Stil, mit Anrede und Schlussformel

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Mit freundlichen Grüßen,
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Die Vorstellung, dass eine Webseite so etwas wie ein digitaler Werbebrief zu sein habe, ist ein ganz einfaches Missverständnis. Die meisten Blog-Anfänger/innen stellen automatisch die Gleichung auf Schreiben + Internet = Email, und daran halten sie sich.
Diese Gleichung stimmt aber leider nicht. Statt ihrer müsste es viel eher heissen:

  • Emailen = Brief schreiben
  • Bloggen = Zeitung publizieren

Ein Blog-Artikel kann einem Zeitungsartikel, einer Glosse oder einer Werbeanzeige gleichen, niemals jedoch sollte er wie Brief geschrieben sein! In einer Zeitung beginnen die Artikel ja auch nicht mit den Worten Liebe Leser und enden mit Herzliche Grüße, Ihre Redaktion. Daher sollte man in einem Artikel, anders als wenn man jemanden persönlich per Email kontaktiert, in jedem Fall auf die Anrede verzichten.

Besser: Kurzer Teaser mit Call to action

Die Werbefuzzis und ihre Anglizismen… Ein Teaser ist so etwas wie ein kurzer Angebotstext, der zum Weiterlesen und/oder klicken anregen soll; der berüchtigte Call to action – „Aufruf zur Aktion“ klingt im Deutschen ja tatsächlich ziemlich holperig, oder? – kommt meist in Form eines Buttons in auffälliger Farbe (die Empfehlungen der Fachleute schwanken hier quer durch den Regenbogen) und soll dem Benutzer suggerieren: Hier geht’s weiter!

Gerne wird ein Teaser auch visuell eindeutig hervorgehoben, z.B. durch eine farbige Box oder eine auffällige Grafik:

Beispiel: Teaser und Call to action
Beispiel: Teaser und Call to action (Rasenmäher: Martin Wehrle)

Redaktionelle Inhalte und Fotos

Natürlich stellt nicht jeder Artikel ein Angebot dar. Redaktionelle Inhalte, wie z.B. der Bericht vom Sommerfest oder der Querverweis auf einen interessanten Link, dürfen ganz normal als Fließtext erscheinen und benötigen, außer vielleicht einem Bild fürs „Augenkino“ (Achtung, Urheberrecht beachten!), keine weitere Gestaltung.